Die Namen der Edel- und Schmucksteine

Die Entwicklung der Namengebung der Edel- und Schmucksteine

Die ältesten Namen der Edelsteine gehen auf orientalische Sprachen, auf Griechisch und Latein zurück. Besonders die griechische Schreibweise hat auch der modernen Edelsteinnomenklatur ihren Stempel aufgedrückt. Die Bedeutung alter Namen ist oft nichtmehr zu erkennen, besonders dann nicht, wenn sich die Schreibweise im Laufe der Zeit geändert hat und dadurch einen anderen Sinn erhielt. Auch wurden in der Antike oft ganz verschiedene Steine wegen gleicher Farbe mit dem selben Namen belegt.


Die ursprünglichen Namen nehmen Bezug auf hervorstechende Eigenschaften der Steine, vor allem auf die Farbe, auf Fundort und schließlich auf geheimnisvolle Kräfte, die angeblich in den Steinen verborgen wären. Viele deutsche Mineralnamen, die später auch zur Benennung von Edelsteinen verwendet wurden, entstammen der mittelalterlichen Bergmannssprache.
Eine wissenschaftliche Betrachtungsweise der mineralogischen Nomenklatur setzt erst mit dem Begriff der Neuzeit ein. Durch Entdeckung vieler neuer Mineralien müssen jetzt auch neue Namen geprägt werden. Es entwickelt sich allmählich ein Prinzip, nach dem bis heute bei der Namengebung von Mineralien und Edelsteinen verfahren wird. Es entstehen reine Kunstschöpfungen nach sinnfälligen Eigenschaften der Steine, wobei man sich vornehmlich der griechischen oder lateinischen Sprache bediente. Aber auch aus Bezeichnungen von chemischen Elementen, Fundorten oder Personen werden Mineralnamen abgeleitet.


Bei der Namengebung nach Personen werden Fachleute, Gönner und andere geehrt, die sich um Mineralogie oder Edelsteinkunde verdient gemacht haben. Weil man sich bei Namengebung jedoch nicht immer einig war, wurden manchmal verschiedene Namen für das gleiche Mineral geprägt, so dass bis heute viele Zweitnamen bei Mineralien und Edelsteinen existieren.

Da der Handel als Kaufanreiz für edle Steine häufig noch eigene Namen hinzufügte, (nicht selten, um höherwertige Steine vorzutäuschen) gibt es bei den Edelsteinen eine Fülle von Synonymen und Varietätenbezeichnungen.
Um hier korrigierend und vermittelnd zu wirken, müssen zukünftig alle neu entdeckten Mineralien wie auch die beabsichtigten neuen Namen einer Kontrollinstitution, der „Commission on new Mineral Names“ der IMA (International Mineralogical Association), der Fachleute aus der ganzen Welt angehören, zur Beurteilung vorgelegt werden.
Jeder, der glaubt, ein neues Mineral oder eine bedeutende Edelsteinvarietät gefunden zu haben, muss hier den Erstanspruch und andere Rechtmäßigkeiten, so auch die Namengebung, überprüfen lassen. Erst dann ist der Name des Minerals bzw. Des Edelsteins sanktioniert.

Da beim Edelsteinhandel die Gefahr einer kommerziellen Unredlichkeit durch falsche Namengebung und unrichtige Gütebewertung besonders groß ist, hat der Ausschuss für Lieferbedingungen und Gütesicherung beim Deutschen Normenausschuss 1963/70 in der RAL 560 A5/A5E für Deutschland 🇩🇪 »Richtlinien für Edelsteine, Schmucksteine, Perlen und Korallen« gegen den unlauteren Wettbewerb erlassen.
International werden zulässige Begriffsbestimmungen und die Handelsgepflogenheiten für Edelsteine durch die »Internationale Vereinigung Schmuck, Silberwaren, Diamanten, Perlen und Steine«, kurz CIBJO (Confédération internationale de la bijouterie, joaillerie, orfèvrerie, des diamants, perles et pierres), geregelt.
Gewiss haben die genannten Institutionen zu einer besseren Kommunikation und zu mehr Sicherheit auf dem Edelsteinmarkt geführt, eine wirkliche Echtheitsgarantie können solche Maßnahmen natürlich nicht vermitteln.

Entstehung und Aufbau der Edelsteine

Entstehung und Aufbau der Edelsteine

Die meisten Edel- und Schmucksteine sind Mineralien. Dementsprechend ist die Entstehungsgeschichte der Edel- und Schmucksteine eine Geschichte der Mineralien. Im Folgenden wird sie kurz erläutert.

Entstehung

Mineralien können auf ganz verschiedene Weise entstehen. Einige kristallisieren aus glutflüssigen Schmelzen und Gasen im Erdinneren oder aus vulkanischen Laven an der Erdoberfläche bzw. in deren Nähe aus (Mineralien der magmatischen Abfolge). Andere werden aus wässrigen Lösungen ausgefällt oder wachsen unter Mithilfe von Organismen an oder nahe der Oberfläche (Mineralien der sedimentären Abfolge). Schließlich bilden sich neue Mineralien durch Umkristallisation schon vorhandener infolge großer Drücke und hoher Temperaturen in tieferen Lagen der Erdkruste (Mineralien der metamorphen Abfolge).

Kristallbildungen

Nahezu alle Mineralien entwickeln bestimmte Kristallformen, d.h. stofflich einheitliche Körper mit regelmäßigem Gitterbau der Atome, Ionen oder Moleküle. Sie sind streng geometrisch gestaltet und haben als Begrenzungen (im Idealfall) glatte Flächen.

Rubellit-Stufe

Brasilianischer Turmalin gewachsen in Lepidolith

Die meisten Kristalle sind klein, teilweise sogar mikroskopisch klein. Es gibt aber auch Riesenexemplare. Für Schmuckzwecke sind im allgemeinen sowohl die Kleinstkristalle (wegen der geringen Größe) als auch die Kristallriesen (aufgrund ihrer Einschlüsse, Verunreinigungen und ungleichartigen Wachstumserscheinungen) ungeeignet.
Die innere Struktur der Kristalle, das Raumgitter, bestimmt die physikalischen Eigenschaften der Edelsteine, z.B. die äußere Form, die Härte und Spaltbarkeit, Art des Bruchs, die Dichte und die optischen Erscheinungen.

Calcit Mohshärte 3. Diopsid Mohshärte 5-6

Calcit (Synonym: Kalkspat) verwachsen mit Diopsid. Südafrika

Die meisten Kristalle sind nicht ebenmäßig geformt, sondern verzerrt, weil sich einige Kristallflächen auf Kosten der anderen besser entwickelt haben. Die Winkel zwischen den Flächen bleiben jedoch immer gleich.
Wenn einzelne Kristallindividuen in Kombination mit anderen Kristallformen, z.B. Hexaeder mit Oktaeder, auftreten, kann die Identifizierung eines Minerals anhand von Kristallformen außerordentlich erschwert werden.
Die Flächenanordnung, in der ein Mineral auftritt, heißt in der Fachsprache Tracht. Pyrit z.B. kommt häufig in der Form des Pentagondodekaeders vor, der Granat dagegen als Rhombendodekaeder. Als Habitus bezeichnet man die Gestalt der Kristallausbildung. Diese kann tafelig, nadlig, spießig, säulig oder gedrungen sein. Aus Rücksicht auf die mineralogisch nicht vorgebildeten Edelsteinfreunde werden im Folgenden die Begriffe Tracht und Habitus zusammenfassend durch das Wort Struktur ersetzt.

 

Fluorit Mohshärte 4. Pyrit Mohshärte 6-6,5

Gelber Fluorit zusammen mit Pyrit

Gelegentlich können Mineralien in einer fremden, bei ihnen sonst nicht üblichen Kristallform auf Grund von chemischen Umwandlungs- oder Austauschprozessen als sogenannte Pseudomorphosen auftreten.

Verwachsen zwei oder mehrere Kristalle nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten, spricht man von Zwillingen, Drillingen oder Viellingen. Je nachdem, ob die Einzelindividuen an- oder ineinander gewachsen sind, unterscheiden wir Berührungs- und Durchdringungszwillinge.
Neben der gesetzmäßigen Zwillingsbildung gibt es bei den Mineralien viel häufiger beliebige Verwachsungen verschiedener Kristalle, die Mineral-Aggregate, auch Mineralvergesellschaftung genannt werden. Je nach Wachstumsprozess entstehen stenglige, fasrige, radialstrahlige, blättrige, schalige, schuppige oder körnige Gestalten. Nach der Bergmannssprache nennt man ein Mineral-Aggregat mit freistehenden Kristall-Individuen, Stufe.
Gut entwickelte und charakteristisch ausgeprägte Kristalle finden sich häufig an den Innenwänden von Drusen (Geoden), rundlich geformten, durch Gasblasen entstandenen Hohlräumen, vorzugsweise in magmatischen Gesteinen.

Amethyst Quarz-Gruppe

Amethyst grich. bedeutet „nicht betrunken“ Quarz-Gruppe

 

Quelle: Prof. Walter Schumann, BLV Verlag

Farbedelsteine in unterschiedlichen Schliff-Formen

EDELSTEINVORKOMMEN SCHMUCKSTEINE

Lagerstätten und Gewinnung der Edel- und Schmucksteine

Edel- und Schmucksteine gibt es in vielen Teilen der Welt, einzeln verstreut oder in größeren Mengen angehäuft. Abbauwürdige Edelsteinanreicherungen bezeichnen wir als Lagerstätte. Örtlichkeiten mit Einzelfunden werden Fundstätte, Fundort oder Fundpunkt genannt. Das Wort Vorkommen umfasst alle vier soeben genannten Begriffe.

Edelsteinlagerstätten

Nach der Entstehung der edelsteinführenden Gesteine unterscheiden wir magmatische (aus Magma hervorgegangene), sedimentäre (als Folge von Ablagerungen gebildete) und metamorphe (durch Umwandlung anderer Gesteine zustande gekommene) Lagerstätten.

Meist ist es allerdings zweckmäßiger, von primären und von sekundären Lagerstätten zu sprechen. Man unterscheidet damit Vorkommen, wo sich die Edel- und Schmucksteine noch am „ersten“ Ort, nämlich dem der ursprünglichen Lagerung befinden, von solchen, wo sie durch einen Transport an eine „zweite“ Stelle verfrachtet wurden.

Bei den Primärlagerstätten haben die Edelsteine noch den originären Verbund mit dem Muttergestein. Die Kristalle sind gewöhnlich gut erhalten. Die Ergiebigkeit der Lagerstätte ist im allgemeinen nicht sehr groß. Es muß nebenher viel taubes (nicht edelsteinhaltiges) Gestein bei der Edelsteinsuche abgeräumt werden.

Bei sekundären Lagerstätten sind die Edelsteine vom Ort ihrer Entstehung abtransportiert und irgendwo anders wieder sedimentiert worden. Härtere Kristalle werden dabei abgerundet, andere zerkleinert oder gar zermahlen. Je nach dem Transportmedium oder dem Lagerort unterscheiden wir Fluss- (fluviatile oder fluviale), Seen- (limnische), Meeres- (marine), Küsten- litorale) oder Wind- (äolische) Ablagerungen.

Flüsse können edelsteinhaltiges Gestein über Hunderte von Kilometern verschleppen. Beim Nachlassen der Wasserströmung, d.h. beim Schwinden der Transportkraft, werden die spezifisch schwereren Edelsteine (wie z.B. Diamant, Zirkon, Granat, Saphir, Chrysoberyll, Topas, Peridot und Turmalin) vor dem allgegenwärtigen leichteren Quarzsand abgelagert, dadurch sortiert und an bestimmten Stellen angereichert. Das macht eine Ausbeute der Lagerstätte gewöhnlich leichter und produktiver als bei einer primären Lagerstätte. Durch Wasser zusammengeschwemmte Edelsteinvorkommen werden nach einem alten Bergmannsausdruck Seife, Edelseife oder Edelsteinseife genannt. Der Wissenschaftler spricht von einer alluvialen Lagerstätte.

Ähnlich wie in Flüssen können sich in der Brandungszone des Meeres Edelsteinseifen bilden. In Namibia werden solche Vorkommen ausgebeutet.

Selbst der Wind kann kleine Edelsteinkörner befördern und infolge sortierter Ablagerungen an bevorzugten Orten anreichern.

Zwischen den primären und den sekundären Vorkommen liegen (genetisch betrachtet) die Verwitterungslagerstätten, auch eluviale Lagerstätten genannt. Sie finden sich in der Fußregion steiler Felsen und hoher Berge. Edel- und Schmucksteine haben sich hier im Verwitterungsschutt angereichert, weil das aufbereitete, spezifisch leichtere Muttergestein durch Niederschlagswasser und Wind allmählich abtransportiert wird, während die schwereren Edelsteine liegen bleiben.

Die Verteilung der Edelsteinlagerstätten über die Erde ist nicht gleichmäßig. Einige Regionen sind deutlich bevorzugt. (vgl. Weltkarten im Anhang).

Symbol- und Heilsteine

Edelsteine stellen wegen ihrer Farbe, des Glanzes und der Gestalt, aber auch wegen der Seltenheit etwas Besonderes dar. Sie sind deshalb seit eh und je mit einem Hauch des Geheimnisvollen umwittert. Man vermutet sogar Kräfte in ihnen, die man für sich nutzen will. Als Schutz gegen Unbill von außen oder zum Erlangen innerer Stärke, insbesondere aber auch für Heilzwecke.

Kosmisch-Astralische Symbolsteine

Edelsteinen wird in verschiedener Hinsicht eine symbolhafte Bedeutung zugesprochen. So identifizieren sich z.B. einige Staaten mit einem Edelstein, der im eigenen Land gewonnen wird. Manchmal sind Edelsteine Symbol für Macht, Status und Reichtum, häufig mit einer Wunschvorstellung überirdischer Kräfte und wirkungsvoller Magie verquickt.

In Verbindung mit mystischen Vorstellungen über Beziehung von Mensch , Erde und Kosmos werden Edelsteine sowohl zum Symbol für Zauber und Magie als auch zu Amulett und Talisman.

Heilsteine

So wie die Edelsteine als Symbol für eine Übernatürliche Verbindung des Menschen zu Sonne, Mond und Sternen betrachtet werden, so sind sie ebenso Sinnbild für Zauber, Magie und Heilkunde.

Den Edelsteinen werden Kräfte zugeschrieben, die Krankheiten verhindern oder heilen, andere Beschwernisse lindern oder beseitigen können.

Historische Betrachtung

Seit der Antike gibt es schriftliche Aufzeichnungen, in denen nachzulesen ist, wie mit edlen Steinen geheilt oder Krankheit abgewendet werden kann. Bedeutende Schriftsteller der alten Zeit, wie Aristoteles, Gajus Plinius Secundus, Dioskurides und später Marbod, Albertus Magnus und Konrad von Megenberg, berichten davon.

Große Akzeptanz über Jahrhunderte haben die in Ihrem Buch „Physika“ niedergeschriebenen Heilanweisungen der gelehrten Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179). Diese Steinheilkunde erlebt gegenwärtig eine Auferstehung.

Da nach Ansicht Hildegards die Edelsteine durch das Zusammenwirken von Feuer und Wasser entstehen, haben sie entsprechende Kräfte wie jene Naturerscheinungen.

Heilsteine heute

Wenn heutzutage von Heilsteinen die Rede ist, dann bedeutet das nicht etwa nur, dass mit Steinen Krankheiten geheilt, sondern dass – nach Meinung der Anwender – insgesamt alle Arten negativer Einwirkungen auf den Menschen positiv beeinflusst werden können.

Quelle: Professor Dr. Walter Schumann

Edelsteine und Schmucksteine – BLV Verlag

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Neueste Auflage erscheint im September 2015

 

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